Eine Frage der Einstellung

Es war einmal eine Frau, die wachte eines Morgens auf, schaute in den Spiegel und bemerkte, dass sie nur drei Haare auf dem Kopf hatte.
»Na«, sagte sie, »ich glaube, ich flechte mir heute einen Zopf«. Das tat sie und hatte einen wunderschönen Tag.

Am nächsten Tag wachte sie auf, schaute in den Spiegel und sah, dass sie nur zwei Haare auf dem Kopf hatte.
»Hm«, sagte sie, »ich glaube, ich kämme mir heute einen Scheitel.« Das tat sie und hatte einen großartigen Tag.

Am nächsten Tag wachte sie auf, schaute in den Spiegel und bemerkte, dass sie nur ein Haar auf dem Kopf hatte.
»Also«, sagte sie, »heute trage ich mein Haar als Pferdeschwanz!« Das tat sei und hatte einen wirklich schönen Tag.

Am nächsten Tag wachte sie auf, schaute in den Spiegel und bemerkte, dass kein einziges Haar auf ihrem Kopf war.
»Jippie«, rief sie. »Heute brauche ich keine Haarpflege!«
(Autor unbekannt)

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

Es war eine kleine alte Frau, die bei der zusammengekauerten Gestalt am Straßenrand stehen blieb. Das heißt, die Gestalt war eher körperlos, erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. „Wer bist du?“ fragte die kleine Frau neugierig und bückte sich ein wenig hinunter. Zwei lichtlose Augen blickten müde auf. „Ich…ich bin die Traurigkeit“, flüsterte eine Stimme so leise, dass die kleine Frau Mühe hatte, sie zu verstehen.

„Ach, die Traurigkeit“, rief sie erfreut aus, fast als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. „Kennst du mich denn“, fragte die Traurigkeit misstrauisch. „Natürlich kenne ich dich“, antwortete die alte Frau, „immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“
„Ja, aber ...“ argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du nicht vor mir, hast du denn keine Angst?“

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Die drei Siebe

Ein Mann sagte zum weisen Sokrates: "Höre, Sokrates, das muss ich dir unbedingt erzählen!" "Halte ein!" unterbrach ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.
"Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es auch wirklich wahr ist?"
"Nein, ich hörte es erzählen und ..."
"So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut, oder könnte es jemandem schaden?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil .."
"Hmmm", unterbrach ihn der Weise, "so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es wirklich notwendig, dass du mir das erzählst?"
"Notwendig nun gerade nicht ..."
"Also, sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."
(Autor unbekannt)

Eine arabische Geschichte

Ein Vater reitet auf einem Esel und neben ihm läuft sein kleiner Sohn. Da sagt ein Passant empört: "Schaut euch den an. Der lässt seinen kleinen Jungen neben dem Esel herlaufen". Der Vater steigt ab und setzt seinen Sohn auf den Esel.
Kaum sind sie ein paar Schritte gegangen ruft ein anderer: "Nun schaut euch die beiden an. Der Sohn sitzt wie ein Pascha auf dem Esel und der alte Mann muss laufen".
Nun setzt sich der Vater zu seinem Sohn auf den Esel: Doch nach ein paar Schritten ruft ein anderer empört: "Jetzt schaut euch die Beiden an. So eine Tierquälerei".
Also steigen beide herab und laufen neben dem Esel her.
Doch sogleich sagt ein anderer belustigt: "Wie kann man nur so blöd sein. Wozu habt ihr einen Esel, wenn ihr ihn nicht nutzt."
(Autor unbekannt)

Zwei Freunde

Zwei Freunde wanderten durch die Wüste.
Während der Wanderung kam es zu einem Streit und der eine schlug dem anderen im Affekt ins Gesicht.
Der Geschlagene war gekränkt. Ohne ein Wort zu sagen, kniete er nieder und schrieb folgende Worte in den Sand:
"Heute hat mich mein bester Freund ins Gesicht geschlagen." ...

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